Das französische Bildungssystem beruht auf Lehrfreiheit, Schulgeldfreiheit, Laizismus und Schulpflicht. Die Organisation des auf allen Stufen schulgeldfreien und laizistischen öffentlichen Schulwesens ist eine Pflicht des Staates.
In Frankreich steht der recteur d'académie, der beim Ministerrat gewählt und durch Erlass vom Staatspräsidenten ernannt wird, einer académie, das heit, der Verwaltungseinheit des öffentlichen Diensts, vor.
Der recteur, der gleichzeitig Kanzler der Universitäten ist, leitet die Bildungspolitik in seinem Zuständigkeitsbereich der ihm zugeteilten académie und steht unter der Autorität des Erziehungsministers. Er steuert und leitet die Bildungspolitik.
Der recteur ist für die drei Lehrstufen zuständig: Primar- Sekundar - und Hochschulbereich und infolgedessen für das gesamte Personal, das in den Schulen und Verwaltungseinheiten eingesetzt wird, die ihm unterstehen. Die Académie ist nach der Stadt benannt, in der sich ihr rectorat (Verwaltungssitz) befindet.
Die recteurs verfügen auch über dezentralisierte Dienststellen; es handelt sich dabei um die inspections académiques, die auf département-Ebene den Inspecteurs d'Académie des services départementaux de lEducation nationale unterstehen.
Imrectoratbefinden sich alle Werwaltungseinheiten, die für die verschiedenen Personalgruppen zuständig sind.
Die Zuständigkeiten und die Befugnisse eines recteur
Der recteur verfügt über umfangreiche Organisationsbefugnisse, was die ihm zugewiesenen Verwaltungsmittel, sowie den Schul-und Orientierungsbereich angeht. Er übt seine Autorität auf das gesamte Personal der Schulen und der Verwaltung aus, die ihm untersteht.
Der recteur sorgt dafür, dass die lycées et collèges, die von ihm pädagogisch kontrolliert werden, personell ausgestattet werden. Er bestimmt über die pädagogische Struktur der allgemeinbildenden Schulen. Er ist auch an den zu verwirklichen Investitionsprogrammen beteiligt, die mit den Vertretern der Region und der Gemeinden aufgestellt werden. Er verteilt den collèges und lycées Schul-und Personalmittel, die den pädagogischen Bereich betreffen. Er ist für die Laufbahnen vieler Lehrer, die in der Sekundarstufe eingesetzt sind, zuständig. Er hat auch Kontrollbefugnisse über das ganze Personal der académie. Er ist zuständig für die Organisation der meisten Prüfungen und concours und gibt seine Zustimmung zu den einzelnen Prüfungsaufgaben, wählt die Mitglieder der Prüfungskommissionen aus, unterschreibt die Prüfungsurkunden.
Die Schullaufbahnen von der Vor- zur Hochschule
In Frankreich besteht ab dem sechsten Jahr Schulpflicht. Vorher können die Familien, die es wünschen, ihre Kinder in eine Vorschule schicken. Es ist so, dass die meisten Kinder unter sechs Jahren eine Vorschule besuchen.
In der Grundschule beginnt der Pflichtunterricht mit dem cours préparatoire. Anschlieend wird der Schüler in die höhere Stufe versetzt, die nach vier Jahren mit dem CM2 endet. In der Grundschule erlernt das Kind eine oder mehrere Fremdsprachen, meistens Englisch aber auch Deutsch.
Mit 10 bis 12 Jahren wird der französische Schüler ins collège aufgenommen. Das collège dauert 4 Jahre, von der 6ème bis zur 3ème Am Ende der 3ème legt der Schüler eine Abschlussprüfung ab: das diplôme national du brevet. In der Regel lernt der Schüler im collège zwei Fremdsprachen. Dann steht er schon vor einer Wahl: entweder entscheidet er sich für das allgemeinbildende-technologische lycée oder für das Berufsgymnasium; er kann auch einen Beruf erlernen. Innerhalb von drei Jahren bereitet sich der Schüler, der auch eine dritte Fremdsprache lernen kann, auf das allgemeinbildende-technologische Abitur vor. Das Abitur ist der erste akademische Titel; es ermöglicht den Zugang zur Hochschule. Nach bestandenem Abitur kann man sich an der Universität einschreiben. Man kann auch an einem lycée zwei Jahre lang eine Klasse zur Vorbereitung auf die Aufnahme in eine Elitenschule besuchen oder sich auf einen BTS (Fachhochschuldiplom) vorbereiten.